Häufig übersetze ich brasilianische Zeugnisse zur Anerkennung in Deutschland oder zur Vorlage bei einem deutschen Ausbildungsinstitut. Dabei ist ein fundiertes Wissen über das brasilianische Bildungssystem an sich und im Vergleich zum deutschen Bildungswesen von fundamentaler Bedeutung.
In diesem langen Blogbeitrag, den ich ursprünglich 2016 für meinen früheren Blog verfasst habe und seitdem ständig aktualisiere, teile ich mit Ihnen ein wenig von meinem Fachwissen als beeidigter Übersetzer für Portugiesisch mit Spezialisierung auf die Sprache von Brasilien sowie interkultureller Expertise in Sachen deutsch-brasilianische Bürokratie und biete einen Überblick über die verschiedenen Bildungsgänge und Abschlüsse in Brasilien mit einer ausführlichen Erklärung der Fachbegriffe des Bildungswesens und deren Übersetzung ins Deutsche.
Inhaltsverzeichnis
Brasilianische Schultypen und -abschlüsse
Grundbildung in 12 Schuljahren
Kinder werden nach der Educação Infantil (frühkindliche Bildung) ins brasilianische Bildungssystem aufgenommen. Erst dann fängt die Educação Básica (Grundbildung) an.
Gemäß dem Gesetz Nr. 11.274 vom 6. Februar 2006 gilt in Brasilien die Grundbildung in 12 Schuljahren. Früher waren es nur noch 11 Jahre, heute wird auch das sogenannte Classe de Alfabetização (Alphabetisierungsjahr) mit in die Primarbildung integriert.
Verwirrend ist vor allem die Tatsache, dass in Brasilien unterschieden wird zwischen séries (Klassen) und anos (Schuljahre oder Jahrgänge). Dies ist nur eine der vielen Schwierigkeiten bei Zeugnisübersetzungen.
Primarbildung
So umfasst die Ensino Fundamental (Primarbildung) 9 Jahre, aber immer noch 8 Klassen im eigentlichen Sinne.
Dieser Bildungsgang ist allgemeinbildend. Es gibt beispielsweise keine gesetzlich vorgesehenen Schulzweige nach Leistungsprinzipien, wie es in Deutschland der Fall ist. Er hat zwei ciclos (Stufen): Stufe I umfasst die ersten 5 Jahrgänge, Stufe II die Jahrgänge 6 bis 9.
Rein nach dieser Aufteilung könnte man davon ausgehen, dass die erste Stufe der Primarbildung ungefähr der deutschen Grundschule entspricht. Aber Grundschule ist die falsche Übersetzung dafür, denn es handelt sich um einen sehr speziellen Begriff des deutschen Bildungssystems.
Die frühere Bezeichnung der Ensino Fundamental bis 1996 war Primeiro Grau.
Schulen, die nur die Primarbildung anbieten, erhalten in der Regel die Bezeichnung escola oder Escola de Ensino Fundamental (E.E.F.) als Bestandteil des Schulnamens.
Sekundarbildung
Nach der Ensino Fundamental kommt die Ensino Médio (Sekundarbildung). Die Bezeichnung bis 1996 war Segundo Grau.
Dabei beginnt die Zählung der Klassen neu, was im brasilianischen Ausland Verwirrung verursachen kann. Das heißt: Die 1ª à 3ª séries do Ensino Médio entspricht in der früheren Zählweise den séries 9 bis 11 (= Klassen 9 bis 11) bzw. in der aktuellen Zählweise den anos 10 bis 12 (= Jahrgänge 10 bis 12).

Auch hier gibt es keine Schulzweige nach Leistungsprinzipien, sondern einfach 3 verschiedene Abschlüsse:
- Ensino Médio de Formação Geral (auch: Ensino Médio regular) (reguläre allgemeinbildende Sekundarbildung),
- Ensino Médio Técnico (Sekundarbildung mit berufsqualifizierender Ausbildung) sowie
- Ensino Médio na Educação de Jovens e Adultos (EJA) (Sekundarbildung auf dem Zweiten Bildungsweg).
Bei allen drei Schulabschlüssen erlangen Absolventen die Befähigung zum Besuch einer Hochschule – also die brasilianische allgemeine Hochschulreife.
Sekundarschulabschlussprüfung
Im letzten Jahr der Sekundarbildung findet darüber hinaus die Prüfung ENEM (= Exame Nacional do Ensino Médio, auf Deutsch: Nationale Sekundarschulabschlussprüfung), die Studienaufnahmeprüfung mit den meisten Prüfungskandidaten statt. Bewerber um einen Studienplatz an einer Universidade Federal (Bundesuniversität) müssen in der Regel den Nachweis der bestandenen ENEM-Prüfung einreichen. An Privathochschulen wird der Nachweis der ENEM-Prüfung nicht verlangt.

Absolventen des Zweiten Bildungswegs konnten bis 2016 die ENEM-Prüfung ablegen und damit einen höheren Schulabschluss erwerben. Seit 2017 gibt es für sie stattdessen die Prüfung ENCCEJA (Exame para Certificação de Competências de Jovens e Adultos = Prüfung zum Nachweis von Kompetenzen von Jugendlichen und Erwachsenen). Diese Prüfung kann auch von Schülern aus anderen Ländern abgelegt werden, die einen brasilianischen Sekundarabschluss erwerben möchten.
Der Zweite Bildungsweg und die externe Abschlussprüfung ENCCEJA sind also zwei Alternativen zur ensino seriado (reguläre Schulbildung), die in aufeinanderfolgende Jahresabschnitte (Jahrgänge) eingeteilt ist.
Bezeichnungen von Schulen
Schulen, die nur die Sekundarbildung anbieten, führen in der Regel die Bezeichnung colégio oder Escola de Ensino Médio (E.E.M.) als Bestandteil des Schulnamens. Wird auch die Primarbildung angeboten, enthält der offizielle Schulname die Bezeichnung Escola de Ensinos Fundamental e Médio (E.E.F.M.).
Manchmal bieten private Sekundarschulen auch Intensivkurse zur Vorbereitung auf die Hochschulaufnahmeprüfung. In diesem Fall werden solche Schulen oft Colégio e Curso (Preparatório) genannt. Der Unterschied zwischen colégio und escola ist vor allem bei älteren Schulen nicht so deutlich.
Deutsche Übersetzung von Ensino Médio
Deutsche Übersetzungen für Ensino Médio mit den Bezeichnungen „Mittelschule“, „Hauptschule“, „Realschule“ oder „Oberstufe“ sind – wie auch die Übersetzung „Grundschule“ für Ensino Fundamental – fehl am Platz. Anforderungen, Ziele und sonstige Merkmale stimmen einfach nicht überein.
Der Abschluss Ensino Médio wird in Deutschland meistens als mittlere Reife anerkannt – das heißt: Fachoberschulreife, Realschulabschluss oder vergleichbare Abschlüsse ohne Hochschulzugangsberechtigung – und reicht für eine Ausbildung aus.
Für die Bewerbung um ein Studium – wofür man keine staatliche Zeugnisanerkennung braucht, denn die Hochschulen prüfen die Unterlagen selbst – muss man ein einjähriges Studienkolleg besuchen.
Vom Studienkolleg wird befreit, wer ein paar Semester an einer brasilianischen Hochschule absolviert hat.
Sekundarbildung mit berufsqualifizierender Ausbildung

Bei der Ensino Médio Técnico (auch: Educação Profissional Técnica de Nível Médio) handelt es sich um eine Mischung aus Parte Comum (bundesweit einheitliche, allgemeinbildende Fächer) und Parte Diversificada (ergänzende und/oder berufsbildende Ergänzungsfächer).
Bei erfolgreicher Absolvierung erwirbt der Schüler in der Regel einen national anerkannten Berufstitel auf Sekundarniveau. Dieser unterscheidet sich von den an Hochschulen erlangten Titeln und akademischen Graden.
Die Abschlussurkunde ist in der Regel ein diploma (siehe vorstehendes Bild). Der erteilte Berufstitel heißt dann Técnico em… (Fachkraft für…).
Übrigens: Das Wort Técnico als Bestandteil des in Brasilien erworbenen Berufsbildungsabschlusses hat meistens nichts zu tun mit dem deutschen Wort „Techniker“. Denn letzteres Wort bezieht sich nur auf Berufe im Bereich der angewandten Naturwissenschaften (wie beispielsweise Kfz-Mechanik, Lebensmitteltechnik, Informatik), während der brasilianische Titel Técnico für Absolventin aller Ausbildungsbereiche gilt (Beispiele: Tourismus, Krankenpflege, Buchhaltung, Übersetzen und Dolmetschen).
Der Autor dieses Artikels hat beispielsweise einen solchen Abschluss im Bereich Übersetzen und Dolmetschen – Técnico em Tradutor-Intérprete – erworben.
Das Wort Técnico ist hier lediglich eine Abgrenzung zur Bezeichnung Analista, die nur für studierte Fachkräfte gilt.
Deshalb sollte der Berufstitel Técnico em Contabilidade nicht mit „Buchhaltungstechniker“ übersetzt werden, wie bei dilettantischen und nicht auf die brasilianische Landeskunde spezialisierten Übersetzern oft vorkommt. Die passende Übersetzung lautet in diesem Fall: Fachkraft für Rechnungswesen.

Portugiesisch Übersetzer in Stuttgart

Portugiesisch Übersetzer in Dresden
Schulen, die eine berufsqualifizierende Ausbildung auf Sekundarniveau anbieten, haben oft die Bezeichnung escola técnica oder colégio técnico (berufsbildende Schule). Einen besonders guten Ruf genießen die Escolas Técnicas Federais (berufsbildende Bundesschule).
Wichtig:
Der Besuch einer brasilianischen Sekundarschule mit berufsqualifizierendem Beschluss sagt gar nichts aus über die allgemeinen oder fachbezogenen Leistungen des Schülers. Die Entscheidung, einen Beruf an der Sekundarschule zu lernen, ist völlig unabhängig von den Leistungen in der Primarbildung.
Es kann außerdem durchaus vorkommen, dass der Schüler mit einem berufsqualifizierenden Abschluss später ein Studium aufnimmt – ohne zusätzliche Abschlüsse und sogar in einem anderen Fach als das Fach der berufsqualifizierenden Ausbildung (habilitação profissional).
Alles also ganz anders als in Deutschland.
Berufliche Bildung
Die formação profissional (berufliche Bildung) ist auch nach oder unabhängig von der Sekundarbildung möglich. Angebote von SENAI (Serviço Nacional de Aprendizagem Industrial), SENAC (Serviço Nacional de Aprendizagem Comercial) und SENAR (Serviço Nacional de Aprendizagem Rural) vermitteln Auszubildenden jeweils Fertigkeiten für die Ausübung von Berufen im Industrie- bzw. Handels- bzw. Agrarbereich. Diese Ausbildungsinstitute sind privatrechtliche Einrichtungen öffentlichen Interesses und arbeiten in enger Zusammenarbeit mit der Wirtschaft.
Neben der nicht-tertiären beruflichen Bildung bietet SENAC seit 2004 mit seinem Centro Universitário SENAC im Bundesstaat São Paulo auch Hochschulausbildungen an in Fachrichtungen wie Architektur, Betriebswirtschaftslehre, Hotelmanagement und Gastronomie.
Brasilianische Studienabschlüsse
Die nächsthöhere Stufe im brasilianischen Bildungssystem ist die Ensino Superior (Hochschulbildung).
Zulassungsverfahren
Die Aufnahme in eine Hochschule ist nur mit einem sogenannten processo seletivo (Zulassungsverfahren) möglich. In der Regel handelt es sich dabei um eine exame vestibular (Studienaufnahmeprüfung), bei der die Prüfungsfächer verschieden gewichtet sind, je nachdem, welches Fach der Bewerber studieren will. Die staatlichen Universitäten verwenden die Ergebnisse der ENEM-Prüfung als maßgebliches Kriterium im Zulassungsverfahren.
Um möglichst beim ersten Versuch die Aufnahmeprüfung zu bestehen, besuchen viele Schulabsolventen – insbesondere bei angesagten Studienrichtungen mit erheblichen Zulassungsbeschränkungen – auch noch eine private studienvorbereitende Schule (curso pré-vestibular, umgangssprachlich auch cursinho).
Bezeichnungen von Hochschulen
Offiziell werden brasilianische Hochschulen Instituição de Ensino Superior (IES), umgangssprachlich auch faculdade genannt. Achtung: Die faculdades sind hier keine Fakultäten, sondern eigenständige Hochschulen.
Häufigste IES-Typen sind:
- universidades federais (Bundesuniversitäten), z. B. Universidade Federal do Rio de Janeiro (UFRJ)
- universidades estaduais (bundesstaatliche Universitäten), z. B. Universidade de São Paulo (USP)
- pontifícias universidades católicas (päpstliche katholische Universitäten), z. B. Pontifícia Universidade Católica do Rio Grande do Sul (PUCRS)
- centros universitários (Hochschulen), z. B. Centro Universitário Una im Bundesstaat Minas Gerais
- faculdades (Hochschulen), z. B. Faculdade de Tecnologia e Ciências im Bundesstaat Bahia
- institutos superiores (Hochschulen), z. B. Instituto Superior de Educação São Judas Tadeu im Bundesstaat Piauí
Die wichtigsten Unterschiede zwischen den universidades und den centros universitários liegt in der Autonomie und der Bandbreite des Angebots in allen Hochschulbereichen (Lehre, Forschung und Fortbildung). Die faculdades bzw. institutos superiores bieten in der Regel wenige Studienfächer im grundständigen Studium sowie, wenn überhaupt, berufsorientierte postgraduale Studiengänge (pós-graduação lato sensu).
Alle Hochschultypen müssen bestimmte gesetzliche Voraussetzungen erfüllen, was den akademischen Grad (titulação) der Lehrkräfte und das Angebot an Lehrveranstaltungen betrifft.
Grundständiges Studium

Absolventen eines brasilianischen grundständigen Studiums erwerben einen der folgenden Hochschulabschüsse:
- Bacharel (Bachelor), meistens wissenschaftlich orientiert
- Licenciado, nur für Lehramtsstudiengänge
- Tecnólogo (akademisch ausgebildete Fachkraft), nur für berufsorientierte Kurzstudiengänge
Der akademische Abschluss Licenciado bedeutet in Brasilien (anders als in Portugal), dass der Inhaber ein Wissenschaftler mit Lehramtsbefähigung ist, wie beispielsweise:
- Licenciado em Letras = Sprach- und Literaturwissenschaftler mit Lehramtsbefähigung
- Licenciado em Educação Física = Sportwissenschaftler mit Lehramtsbefähigung
- Licenciado em Biologia = Biologe mit Lehramtsbefähigung
ENADE
Die brasilianische Bundesregierung führt seit 1996 eine Prüfung zur Bewertung der Qualität des Hochschulwesens durch. Die Prüfung hieß von 1996 bis 2003 Exame Nacional de Cursos (kurz: ENC, umgangssprachlich Provão). Seit 2004 heißt sie Exame Nacional de Desempenho de Estudantes (kurz: ENADE), also Nationale Prüfung zur Bewertung von Studiengängen.
Dabei werden Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen in unterschiedlichen Jahren geprüft. In der Regel erfolgt die Prüfung für die jeweilige Fachrichtung alle drei Jahre. Da die Regelstudienzeit in Brasilien 4 Jahre beträgt, müssen Studierende die ENADE-Prüfung in der Regel zweimal ablegen.
Wer die ENADE-Prüfung nicht ablegt, erhält die Studienabschlussurkunde nicht. Studierende können aber von der Teilnahme an der ENADE-Prüfung befreit werden, falls die Prüfung nicht innerhalb der Studienzeit stattfindet. In diesem Fall wird in der Leistungsübersicht vermerkt: „Dispensado em razão do calendário trienal“.
Postgraduales Studium

Nach einem grundständigen Studium haben Absolventen die Wahl, sich akademisch weiterzubilden. In einer ersten Stufe der akademischen Weiterbildung gibt es folgende Bildungsgänge:
- pós-graduação stricto sensu oder mestrado (konsekutives, wissenschaftliches postgraduales Studium) mit dem Abschluss Mestre, in der Regel für die wissenschaftliche Vertiefung und Ausbildung von Lehrkräften
- pós-graduação lato sensu oder especialização (nicht-konsekutives, berufsorientiertes postgraduales Studium, Spezialisierungsstudium) mit der Qualifizierung zum Especialista, für die praxisbezogene Spezialisierung in einem bestimmten Fachgebiet, darunter
- MBA (Master of Business Administration), meistens zur Weiterbildung von Führungskräften
Nur nach einem mestrado – in den Modalitäten mestrado acadêmico (akademischer Master) für die Weiterbildung von Lehrkräften oder mestrado profissional (beruflicher Master) für die Weiterbildung in sonstigen Berufen – darf man sich um die zweite Stufe bewerben, nämlich um die doutorado (Promotion). Die Doktorstudiengänge werden in der Regel von Mestrado-Absolventen gewählt, die Interesse an einer Karriere als Hochschullehrer oder als Wissenschaftler haben.
Mit Verleihung der diploma de doutorado (Promotionsurkunde) ist die höchste Stufe des brasilianischen Bildungssystems erreicht.

Nach einem erfolgreich absolvierten Doktorstudium gibt es die Möglichkeit, eine Postdoc-Tätigkeit zu absolvieren. Das Ziel dabei ist jedoch nicht, einen weiteren Abschluss zu erlangen, sondern sich wissenschaftlich auszutauschen oder weiterzubilden, oft verbunden mit einem wissenschaftlichen Stipendium bzw. einer wissenschaftlichen Forschungstätigkeit.
Notensystem(e)
Die Leistungsnoten im brasilianischen Bildungssystem sind nicht einheitlich definiert. Vor allem in älteren Zeugnissen ist eine Vielzahl von Notenskalen und Bewertungskriterien zu sehen, meistens ohne jede Erklärung, was die Zahlen und Leistungsprädikate überhaupt bedeuten. Die Lage wird deutlich unübersichtlicher bei Schulzeugnissen, in denen Noten von verschieden Schulen mit verschiedenen Notensystemen zu lesen sind.
In der Primar- und Sekundarbildung gibt es heutzutage in der Regel die Noten 0 bis 100 sowie verschiedene Prädikatssysteme (z. B. Prädikate wie A, B, C und D). Die genaue Entsprechung der Noten mit den conceitos (Prädikaten) hängt stark von der Schule ab. In manchen Schulen gibt es sogar neben dem Prädikat muito bom (sehr gut) auch das Prädikat ótimo (ausgezeichnet), die in der Allgemeinsprache Synonyme sind.

Bei erfolgreicher Absolvierung eines Schulfachs erhält der Schüler das Prädikat aprovado (erfolgreich), bei erfolgreicher Absolvierung eines Schuljahres das Ergebnisprädikat aprovado/promovido (erfolgreich/versetzt). Es gibt am Ende des Bimesters und des Schuljahres verschiedene Möglichkeiten zur Prüfungswiederholung.
Die Noten werden in einem Histórico Escolar (Leistungsübersicht) – früher Ficha 19 genannt — zusammen mit der Fächerübersicht und schulbehördlichen Eintragungen verzeichnet. Bei vorzeitigem Abgang vor dem Ende eines Schuljahres erhält der Schüler gegebenenfalls ein Ficha Individual (Abgangszeugnis) mit den Angaben zu Unterrichtsfächern und Leistungen im betroffenen Schuljahr. Diese Angaben können aber bereits auf der Rückseite der regulären Leistungsübersicht enthalten sein.
Schulabschlussurkunden (Certificados de Conclusão) enthalten in der Regel keine Noten, diese sind im Histórico Escolar zu sehen. Ausnahme: Bei berufsqualifizierenden Abschlüssen enthalten sowohl das Diploma als auch das Histórico Escolar eine Fächer- und Notenübersicht.
Im Hochschulwesen gibt es wiederum neben der häufigsten Notenskala von 0 bis 100 auch verschiedene Prädikate und Leistungspunkte (créditos). Zudem vergibt die Hochschule auch die coeficiente de rendimento (gewichtete Durchschnittsnote), die die Leistungen der Studierenden im jeweiligen Semester sowie im gesamten Studium widerspiegelt.
Die Noten im Studium sind ebenfalls in einem Histórico Escolar (Leistungsübersicht, international auch als Transcript of Records bekannt) ausgewiesen. Die Studienabschlussurkunden enthalten keine Noten und keine Leistungspunkte, lediglich die Certificados der nicht-konsekutiven postgradualen Studiengänge enthalten die carga horária (Stundenzahl) der absolvierten disciplinas (Lehrveranstaltungen).
Registrierungen, amtliche Eintragungen
Die meisten Schul- und Hochschulabschlussurkunden, die im brasilianischen Bildungssystem verliehen werden, müssen registriert werden. Die Registrierung erfolgt durch die zuständige Schulbehörde des Bundesstaates – Direção Regional de Educação (DRE), Coordenadoria Regional de Educação (CRE), Secretaria Estadual de Educação (SEE, SEDUC) – bzw. die zuständige Stelle des brasilianischen Bundesministeriums für Bildung (Ministério da Educação, MEC).
Berufsqualifizierende sowie Hochschulabschlüsse werden in der Regel zusätzlich bei der zuständigen Berufskammer (órgão de fiscalização profissional, auch bekannt als conselho profissional) registriert. Dies gilt insbesondere für Gesundheits-, technische und natürlich für alle rechtlich geschützten Berufe.

